© Hermann Wolf, DAV Sektion Bayreuth

Geschichte der DAV Sektion Bayreuth – Eine umfassende Übersicht

Einleitung
Die Sektion Bayreuth des Deutschen Alpenvereins (DAV) blickt auf eine über 135-jährige, bewegte Geschichte zurück. Als eine der traditionsreichsten und aktivsten Sektionen des DAV in Nordbayern hat sie nicht nur das regionale Bergsportleben maßgeblich geprägt, sondern auch durch ihre Hütten, Kletteranlagen, Ausbildungsprogramme und ihr Engagement im Naturschutz überregionale Bedeutung erlangt. Diese Übersicht beleuchtet die wichtigsten historischen Meilensteine, die Entwicklung der Mitgliederstruktur, bedeutende Ereignisse, bauliche Entwicklungen – insbesondere die Hütten und Kletteranlagen –, das Engagement in der Region sowie besondere Jubiläen und Projekte. Die Darstellung folgt einer chronologischen und thematischen Gliederung und stützt sich auf eine Vielzahl von Quellen, darunter Festschriften, Vereinszeitschriften, Veröffentlichungen des DAV-Bundesverbands und aktuelle Medienberichte.


Gründung und frühe Geschichte (1888–1925)

Die Gründung der Sektion Bayreuth
Die DAV Sektion Bayreuth wurde am 14. Dezember 1888 im Nebenzimmer des Hotels „Schwarzes Roß“ in Bayreuth gegründet. Elf bergbegeisterte Männer, darunter Hauptmann Seyler, Regierungsassessor Reßler und Kaufmann Semmelmann, legten damit den Grundstein für eine der ältesten DAV-Sektionen in Nordbayern. Die Sektion nannte sich zunächst „Sektion Bayreuth des Deutschen und Österreichischen Alpenvereins“, was die damals enge Verbindung beider Vereine widerspiegelt.

Bereits im ersten Jahr wurde Hauptmann Seyler zum ersten Vorstand gewählt. Ihm folgten Professor Adami und später Regierungsassessor Reßler. Die frühen Jahre waren geprägt von einer regen alpinen Tätigkeit: Gemeinsame Ausflüge, Vorträge über Bergfahrten und gesellige Sektionsabende gehörten zum Vereinsleben. Schon damals wurde Wert auf die Förderung der Jugend und die Vermittlung alpiner Kenntnisse gelegt.

Entwicklung bis zum Ersten Weltkrieg
Im Laufe der Jahre wuchs die Sektion kontinuierlich. Unter der Leitung von Rechtsrat und späterem Oberbürgermeister Albert Preu, der ab 1909 Vorstand war, entwickelte sich ein lebendiges Vereinsleben. Die Mitgliederzahl stieg, und die Sektion etablierte sich als Treffpunkt für Bergsportbegeisterte in Bayreuth und Umgebung. Die Aktivitäten reichten von Wanderungen in den Alpen bis zu Lichtbildvorträgen und Theaterabenden.

Der Erste Weltkrieg brachte eine Zäsur: Das Vereinsleben kam weitgehend zum Erliegen, viele Mitglieder wurden eingezogen, und die Jugendgruppe der Sektion wurde nahezu vollständig ausgelöscht. Dennoch blieb der Zusammenhalt bestehen, und nach Kriegsende wurde die Vereinsarbeit wieder aufgenommen.


Die Zwischenkriegszeit und der Erwerb der Bayreuther Hütte (1925–1945)


Erwerb und Ausbau der Bayreuther Hütte

Ein entscheidender Meilenstein in der Geschichte der Sektion war der Erwerb einer eigenen Alpenvereinshütte. Nach mehreren gescheiterten Projekten in anderen Gebirgsregionen bot sich 1925 die Gelegenheit, einen Berggasthof im Rofangebirge (Tirol) zu kaufen. Die Sektion erwarb die sogenannte Rofanhütte für 19.000 Reichsmark und gestaltete sie in den folgenden Jahren zu einer modernen Schutzhütte um. Unter dem ersten Hüttenwart, Oberregierungsrat Samhammer, wurden die Wasserversorgung sichergestellt, eine Veranda angebaut und ein Waschhaus errichtet.

Am 25. Juli 1926 wurde die Bayreuther Hütte feierlich eingeweiht. Sie entwickelte sich rasch zu einem beliebten Stützpunkt für Wanderer, Bergsteiger und Skitourengeher aus der Region Bayreuth und darüber hinaus. Die Hütte bot nicht nur Schutz und Unterkunft, sondern wurde auch zum Symbol für die Verbundenheit der Sektion mit den Alpen.


Vereinsleben und Herausforderungen in der NS-Zeit

Die 1930er Jahre waren von politischen Umbrüchen geprägt. Der "Anschluss" Österreichs an das Deutsche Reich 1938 erleichterte zunächst den Zugang zur Hütte, doch der Ausbruch des Zweiten Weltkriegs brachte erneut erhebliche Einschränkungen. Während des Krieges wurde die Bayreuther Hütte – wie viele andere DAV-Hütten in Österreich – unter treuhänderische Verwaltung des Österreichischen Alpenvereins gestellt. Das Vereinsleben in Bayreuth selbst wurde durch den Krieg stark beeinträchtigt, viele Mitglieder fielen an der Front oder kamen in den Bergen ums Leben.

In den frühen Jahren des 20. Jahrhunderts zeigten sich im Alpenvereinswesen bereits frühe und teils systematische Formen von Antisemitismus, die sich vor und während der NS‑Herrschaft weiter verfestigten. Bereits vor 1933 führten einzelne Sektionen sogenannte „Arierparagraphen“ ein, durch die jüdische Mitglieder nicht mehr aufgenommen oder aktiv ausgegrenzt wurden; 1924 mündete diese Entwicklung im Ausschluss der Sektion Donauland aus dem Gesamtverband, ein Ereignis mit weitreichender Symbolkraft für die Ausgrenzung jüdischer Bergsteigerinnen und Bergsteiger.

Während der NS‑Zeit passte sich ein Teil der föderalen Struktur des Alpenvereins den nationalsozialistischen Vorgaben und der völkischen Ideologie an: Vereinsstrukturen, Satzungen und Personalentscheidungen wurden in vielen Sektionen so verändert, dass jüdische Mitglieder und andersdenkende Personen systematisch benachteiligt oder ausgeschlossen wurden. Diese Prozesse waren nicht nur Folge staatlicher Repression, sondern auch Ausdruck bereits vorhandener nationalistischer und antisemitischer Strömungen innerhalb der Bergsteiger‑ und Vereinskultur.

Nach 1945 blieb die Aufarbeitung dieser Vergangenheit lange unvollständig. Erst ab den 1980er/1990er Jahren setzte beim DAV und in vielen Sektionen eine ernsthafte Auseinandersetzung mit der eigenen Rolle in der NS‑Zeit ein, begleitet von Forschungsprojekten, Publikationen und Gedenkveranstaltungen. In den letzten Jahrzehnten haben der Verband und einzelne Sektionen Dokumentationen erstellt, Gedenkformate entwickelt und Maßnahmen zur Erinnerungskultur ergriffen, um die Ausgrenzungsgeschichte sichtbar zu machen und daraus Konsequenzen für heutiges Vereinsleben zu ziehen.

Die Rolle der Sektion Bayreuth

Die folgenden Zitat‑Schnipsel stammen aus der Festschrift Sektion Bayreuth 50 Jahre 1888–1938 und dokumentieren, wie sich die Sektion in den Jahren nach 1933 formell und in ihrer Selbstdarstellung an die nationalsozialistische Neuordnung anpasste. Die Wortwahl der Chronik spiegelt dabei nicht nur administrative Veränderungen (z. B. Satzungsanpassungen), sondern auch eine positive Darstellung der Gefolgschaft gegenüber dem NS‑Staat wider.

Für eine heutige Sektionschronik sind diese Passagen als Primärquelle von hoher Bedeutung: Sie belegen konkrete Maßnahmen (etwa die Einführung von Arierparagraphen und das Führerprinzip) und zeigen zugleich, wie die Sektion diese Vorgänge intern bewertet hat. Solche Originalformulierungen sollten wörtlich zitiert werden, aber immer durch eine kritische Einordnung ergänzt werden, die Ausgrenzungsmechanismen, Verantwortung und die lange Verzögerung der Aufarbeitung thematisiert.

„Freudig befand sich die Sektion, wie der ganze Alpenverein zum nationalsozialistischen Staat und leistete seinen Einrichtungen gerne Gefolgschaft.“ (Vgl. Festschrift Sektion Bayreuth 50 Jahre 1888–1938, S. 8)
Kontext: Direkt im Anschluss an die Beschreibung der Satzungsänderungen wird die Stimmung innerhalb der Sektion als zustimmend und willig gegenüber den neuen staatlichen Strukturen dargestellt; die Formulierung legt nahe, dass die Anpassung nicht nur äußerlich, sondern auch in der Selbstdarstellung positiv bewertet wurde.

„Arierparagraph und führerprinzip wurden eingeführt und sonstige durch die Neuordnung notwendig gewordene Satzungsänderungen in der Folge vorgenommen.“ (Vgl. Festschrift Sektion Bayreuth 50 Jahre 1888–1938, S. 8)
Kontext: Dieser Satz steht in der Chronik, die die politischen Umbrüche ab 1933 zusammenfasst; er benennt ausdrücklich formale Satzungsänderungen in der Sektion als Folge der nationalsozialistischen Neuordnung.

Es fehlen in der Festschrift konkrete Listen von ausgeschlossenen Mitgliedern, Protokollauszüge mit Namen oder ausführliche Begründungen für einzelne Ausschlüsse. Das Werk dokumentiert eher die formalen Satzungsänderungen und die allgemeine Stimmungslage als detaillierte Personalakten.

Mit aufrichtigem Bedauern blicken wir auf jene Jahre zurück, in denen unsere Sektion durch Ausgrenzung und Anpassung an ein verbrecherisches Regime Mitschuld auf sich geladen hat; wir nehmen diese Schuld an, gedenken der Betroffenen und arbeiten dafür, dass unsere Gemeinschaft heute ein sicherer, vielfältiger Ort für Menschen aller Herkunft und Kultur ist.

 


Wiederaufbau und Expansion nach 1945

Wiedergründung und Rückgabe der Bayreuther Hütte
Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs begann der mühsame Wiederaufbau. 1947 wurde die Sektion Bayreuth durch die Initiative von Stadtbaurat Gurlitt neu gegründet. Die Rückgabe der Bayreuther Hütte erfolgte 1957, nachdem sie zwölf Jahre lang unter österreichischer Verwaltung gestanden hatte. Hans Staudt wurde zum neuen Hüttenwart gewählt und widmete sich mit großem Engagement der Instandsetzung und dem Ausbau der Hütte.

Bau der Rabenecker Hütte (Hans-Putschky-Haus)
Ein weiteres zentrales Projekt der Nachkriegszeit war der Bau einer eigenen Hütte in der Fränkischen Schweiz. 1957 begann unter der Leitung von Hans Putschky und Hans Blümel der Bau der Rabenecker Hütte im Saugendorfer Graben oberhalb des Wiesenttals. Die Hütte wurde 1958 eingeweiht und entwickelte sich rasch zu einem wichtigen Stützpunkt für Kletterer und Wandergruppen aus der Region. Sie wurde später zu Ehren ihres langjährigen Hüttenwarts in „Hans-Putschky-Haus“ umbenannt.

Gründung der Jungmannschaft und Jugendförderung
Bereits 1952 wurde die Jungmannschaft der Sektion wiedergegründet. Sie entwickelte sich zu einem der aktivsten Teile des Vereins und war maßgeblich am Bau und Ausbau der Hütten beteiligt. 1965 folgte die Gründung einer eigenen Jugendgruppe, die in den folgenden Jahrzehnten eine Blütezeit erlebte und zahlreiche bergsteigerische Erfolge erzielte. Die Jugendarbeit wurde zu einem zentralen Pfeiler der Sektionsarbeit und ist bis heute ein Markenzeichen der DAV Sektion Bayreuth.

Die 1960er bis 1980er Jahre: Wachstum, Innovation und neue Hütten

Gründung der Ortsgruppe Pegnitz
Am 30. März 1966 wurde im Gasthaus „Goldener Stern“ in Pegnitz die Ortsgruppe Pegnitz gegründet. Initiatoren waren unter anderem der damalige 1. Vorsitzende der Sektion, Erich Ramstein, und der 2. Bürgermeister von Pegnitz, Josef Vogel. Die Ortsgruppe entwickelte sich rasch zu einem wichtigen Zentrum des Bergsports im südlichen Landkreis Bayreuth und zählt heute über 300 Mitglieder.

Ausbau der Infrastruktur: Elektrifizierung und Modernisierung
In den 1960er und 1970er Jahren wurden umfangreiche Modernisierungsmaßnahmen an den Hütten durchgeführt. Die Bayreuther Hütte erhielt eine neue Wasserversorgung und wurde elektrifiziert. Auch die Rabenecker Hütte wurde mit Strom versorgt und ausgebaut. Die Stadt Bayreuth und der DAV-Hauptverein unterstützten diese Maßnahmen finanziell und organisatorisch.

Erwerb der Wagenthalhütte im Fichtelgebirge
Ein lang gehegter Wunsch vieler Mitglieder wurde 1975 mit dem Kauf der Wagenthalhütte bei Oberwarmensteinach im Fichtelgebirge erfüllt. Die Hütte, die zuvor von der Bundeswehr genutzt worden war, wurde in zahlreichen freiwilligen Arbeitsstunden renoviert und ausgebaut. Sie dient seither als Stützpunkt für Wanderungen, Mountainbiking und Wintersport und ist besonders bei Familien beliebt.

Entwicklung der Mitgliederzahlen und Vereinsstruktur
Die Mitgliederzahl der Sektion stieg in den 1970er und 1980er Jahren kontinuierlich an. 1978 zählte die Sektion bereits über 1.500 Mitglieder, heute sind es rund 5.700, verteilt auf Bayreuth, Pegnitz, das Fichtelgebirge und die Fränkische Schweiz. Die Vereinsstruktur wurde durch die Gründung weiterer Abteilungen und Interessengruppen (z. B. Bergsteigergruppe, Skiabteilung, Familiengruppe, Seniorengruppe) stetig erweitert.

Bauliche Entwicklungen und Hütten der Sektion

Die Bayreuther Hütte im Rofangebirge (Tirol)
Die Bayreuther Hütte ist das Aushängeschild der Sektion und eine der wichtigsten Schutzhütten im Rofangebirge. Sie liegt auf 1.600 m Höhe oberhalb von Münster und Kramsach und bietet einen einzigartigen Ausblick auf das Inntal, das Zillertal und das Alpbachtal. Die Hütte verfügt über 60 Schlafplätze in Mehrbettzimmern und Lagern und ist von Pfingsten bis Mitte Oktober bewirtschaftet.

In den letzten Jahrzehnten wurde die Hütte mehrfach modernisiert und erweitert. 1980 erfolgte ein großer Anbau mit neuen Waschräumen, Zimmern und einer modernen Kläranlage. 1995 wurde eine regenerative Energieversorgung mit Photovoltaik- und Solaranlagen installiert, die eine Dieseleinsparung von 90 % ermöglicht. Der Transport von Gütern erfolgt heute über eine Forststraße, die für den Autoverkehr gesperrt ist, während der Pächter mit Sondergenehmigung zufahren kann.

Die Bayreuther Hütte ist ein idealer Ausgangspunkt für Wanderungen und Klettertouren im Rofan. In unmittelbarer Nähe befindet sich ein neu sanierter Klettergarten, der auch für Anfänger geeignet ist. Die Hütte ist zudem ein beliebtes Ziel für Familien und Jugendgruppen.

Das Hans-Putschky-Haus (Rabenecker Hütte) in der Fränkischen Schweiz
Das Hans-Putschky-Haus, auch Rabenecker Hütte genannt, ist eine einfache Selbstversorgerhütte am nördlichen Hang des Wiesenttals. Sie bietet 12 Lagerplätze und ist besonders für kleinere Kinder- und Jugendgruppen geeignet. Die Hütte ist von April bis November nutzbar und dient als Stützpunkt für Kletter- und Wandergruppen in der Fränkischen Schweiz, einem der bedeutendsten Klettergebiete Deutschlands.

Die Umgebung der Hütte bietet zahlreiche Kletterfelsen, Burgen, Höhlen und Freizeitmöglichkeiten. Die Rabenecker Hütte wurde in den 1950er Jahren von Mitgliedern der Sektion in über 2.000 freiwilligen Arbeitsstunden erbaut und ist bis heute ein wichtiger Treffpunkt für die Kletterjugend der Region.

Die Wagenthalhütte im Fichtelgebirge
Die Wagenthalhütte ist eine Selbstversorgerhütte auf 715 m Höhe am Rande des Hochplateaus im Wagenthal bei Oberwarmensteinach. Sie bietet zwei Schlafräume mit jeweils 12 Matratzenlagern und ist ganzjährig nutzbar. Die Hütte ist ein idealer Stützpunkt für Wanderungen, Mountainbiking und Wintersport. Im Winter führt eine gespurte Langlaufloipe direkt am Haus vorbei, und die Skilifte des Fichtelgebirges sind in der Nähe.

Die Wagenthalhütte wurde nach dem Kauf 1975 umfassend renoviert und modernisiert. In den letzten Jahren wurden unter anderem der Plattenbelag vor der Hütte erneuert und die sanitären Anlagen verbessert. Die Hütte ist besonders bei Familien und Jugendgruppen beliebt, da das unmittelbare Umfeld gefahrlos zum Spielen und Entdecken einlädt.

Direkt zu unseren Hütten

Kletteranlagen und Klettersport

Entwicklung des Klettersports in der Sektion
Die DAV Sektion Bayreuth hat sich früh als Zentrum des Klettersports in Nordbayern etabliert. Bereits in den 1960er Jahren wurden Kletterkurse und Gemeinschaftsfahrten zu den Felsen der Fränkischen Schweiz angeboten. Die Rabenecker Hütte diente dabei als wichtiger Stützpunkt für die Ausbildung und Förderung junger Kletterer.

In den 1980er und 1990er Jahren wurde das Angebot kontinuierlich ausgebaut. Die Sektion engagierte sich maßgeblich in der Entwicklung des „sanften Kletterns“ und des „Blaupunktkletterns“ in der Fränkischen Schweiz, das auf einen verantwortungsvollen Umgang mit der Natur und den Felsen abzielt.

Kletteranlagen in Bayreuth
Die Sektion betreibt heute mehrere Kletteranlagen in Bayreuth:

  • Kletterzentrum Bayreuth: Die moderne Kletterhalle in der Schwabenstraße bietet rund 1000 m² Kletter- und Boulderfläche, einen 9,5 m hohen Kletterturm und vielfältige Ausbildungsmöglichkeiten für das klassische Seilklettern. Die Halle ist eine der größten Boulder- und Kletteranlagen in Nordbayern und wird sowohl von Mitgliedern als auch von Nichtmitgliedern genutzt.
  • Kletterwände in Schulen: Zusätzlich betreibt die Sektion Kletterwände im Richard-Wagner-Gymnasium und im Graf-Münster-Gymnasium, die insbesondere für die Jugendarbeit und das Training genutzt werden.
  • Das Kursangebot reicht von Einsteigerkursen über Fortbildungen bis hin zu speziellen Trainings für Kinder, Jugendliche und Leistungssportler. Die Sektion stellt qualifizierte Ausbilder und Trainer und arbeitet eng mit dem DAV-Bundesverband zusammen.

Ausbildung, Kurse und Jugendförderung

Umfangreiches Ausbildungsprogramm
Die DAV Sektion Bayreuth legt großen Wert auf die Ausbildung ihrer Mitglieder. Das Angebot umfasst:

Grund- und Aufbaukurse in allen Bergsportarten (Wandern, Bergsteigen, Klettern, Skitouren, Mountainbiken)
Spezielle Kurse für Kinder, Jugendliche und Familien
Fortbildungen für Fachübungsleiter, Trainer und Jugendleiter
Sicherheits- und Präventionsveranstaltungen in Zusammenarbeit mit Polizei und Bergwacht.
Die Ausbildung erfolgt nach den Standards des DAV-Bundesverbands und wird regelmäßig evaluiert und weiterentwickelt. Die Sektion übernimmt die Ausbildungskosten für engagierte Mitglieder, die sich als
Gruppenleiter oder Fachübungsleiter qualifizieren möchten.
Jugendförderung und Jugendgruppen
Die Jugendarbeit ist ein zentrales Anliegen der Sektion. Die Jugend des Deutschen Alpenvereins (JDAV) Bayreuth bietet ein vielfältiges Programm:

Regelmäßige Gruppenstunden und Klettertreffs
Ausfahrten zu Klettersteigen, Felsen und in die Alpen
Teilnahme an Wettkämpfen und Leistungskader-Trainings
Organisation von Ferienfreizeiten und Schnupperangeboten für Kinder und Jugendliche.
Die Jugendgruppen sind nach Altersstufen gegliedert (z. B. Äffchenclub, Climbing Monkeys, Junior*innen) und werden von ausgebildeten Jugendleitern betreut. Die Förderung von Eigenverantwortung, Teamgeist
und Naturschutzbewusstsein steht im Mittelpunkt der Jugendarbeit.
Engagement in der Region und Naturschutz
Naturschutz als Leitmotiv
Der DAV versteht sich nicht nur als Sportverein, sondern auch als Naturschutzorganisation. Die Sektion Bayreuth setzt sich aktiv für den Schutz und die nachhaltige Nutzung der Berg- und Felslandschaften ein. Dies geschieht durch:

Entwicklung und Umsetzung von Kletterkonzepten in der Fränkischen Schweiz und im Fichtelgebirge in Zusammenarbeit mit Behörden, Naturschutzverbänden und der IG Klettern
Temporäre Felssperrungen zum Schutz bedrohter Vogelarten (z. B. Wanderfalke, Uhu)
Aufklärungsarbeit und Sensibilisierung der Mitglieder für einen verantwortungsvollen Umgang mit der Natur.
Die Sektion beteiligt sich regelmäßig an regionalen und überregionalen Naturschutzaktionen, wie dem World Cleanup Day, bei dem Mitglieder gemeinsam Müll in der Fränkischen Schweiz sammeln und so ein Zeichen für den Umweltschutz setzen.
Regionale Veranstaltungen und Projekte
Die Sektion organisiert zahlreiche Veranstaltungen, die das gesellschaftliche Leben in Bayreuth und Umgebung bereichern:

Winterbasar: Jährlicher Basar für gebrauchte und neue Bergsportausrüstung, der Mitglieder und Interessierte zusammenbringt.
Edelweißfest: Traditionelles Fest zur Ehrung langjähriger Mitglieder und zur Pflege der Gemeinschaft.
Vortragsreihen: Spannende Expeditions- und Reiseberichte, oft mit prominenten Referenten wie Reinhold Messner.
Familien- und Jugendprogramme: Wanderungen, Klettertage, Skikurse und Ferienfreizeiten für alle Altersgruppen.
Die Sektion arbeitet eng mit Schulen, der Stadt Bayreuth, dem Stadtjugendring und anderen Vereinen zusammen, um den Bergsport und das Naturerlebnis für möglichst viele Menschen zugänglich zu machen.
 
Jubiläen, Gedenkfeiern und besondere Projekte
75-, 90- und 100-jähriges Jubiläum
Die Sektion Bayreuth hat ihre runden Geburtstage stets mit besonderen Veranstaltungen gefeiert:

75-jähriges Jubiläum (1963): Festakt mit Ehrengästen, Rückblick auf die Geschichte und Würdigung der Verdienste der Mitglieder.
90-jähriges Jubiläum (1978): Umfangreiches Jubiläumsprogramm mit Wanderungen, Vorträgen, Kletterkursen und einem bunten Abend. Die Festschrift dokumentiert die Entwicklung der Sektion und ihrer Hütten.
100-jähriges Jubiläum (1988): Großes Jubiläumsfest mit Festakt, buntem Abend, Vortrag von Reinhold Messner und zahlreichen Ehrungen. Die Festschrift zum 100-jährigen Bestehen bietet einen detaillierten Überblick über die Geschichte, die wichtigsten Persönlichkeiten und die Entwicklung der Sektion.

Bayreuther Andenexpedition 1987
Ein herausragendes Projekt war die Bayreuther Andenexpedition 1987. Unter der Leitung von Hermann Wolf bestiegen Mitglieder der Sektion in der Cordillera Quimsa Cruz (Bolivien) zahlreiche bisher unberührte Gipfel und erschlossen neue Routen. Die Expedition war nicht nur ein sportlicher Erfolg, sondern auch ein Beispiel für internationale Zusammenarbeit und wissenschaftliche Forschung. Leider wurde die Expedition von einem tragischen Unglück überschattet, bei dem zwei Teilnehmer ums Leben kamen. Die Ergebnisse der Expedition wurden in einer ausführlichen Broschüre veröffentlicht und fanden überregionale Beachtung.

Sonderausstellungen und Medienpräsenz
Zum 125-jährigen Bestehen der Sektion wurde 2013 eine große Ausstellung in der Universitätsbibliothek Bayreuth gezeigt. Sie dokumentierte anhand von Bildern, Plakaten, Expeditionsberichten und Ausrüstungsgegenständen die Entwicklung des Bergsports und der Aktivitäten der Sektion von 1888 bis heute. Die Ausstellung fand große Resonanz in der Öffentlichkeit und trug dazu bei, das Bewusstsein für die Geschichte und Bedeutung der Sektion zu stärken.

Struktur, Mitgliederzahlen und Organisation
Mitgliederentwicklung
Die Mitgliederzahl der Sektion Bayreuth hat sich seit ihrer Gründung stetig erhöht. Während in den 1960er Jahren rund 500 Mitglieder gezählt wurden, stieg die Zahl bis 1978 auf über 1.500 und liegt heute bei über 6.000. Der größte Teil unserer Mitglieder verteilt sich auf Bayreuth, Pegnitz, das Fichtelgebirge und die Fränkische Schweiz – Einige Mitglieder sind der Sektion aber auch deutschland- und sogar weltweit treu geblieben. Die Ortsgruppe Pegnitz zählt rund 300 Mitglieder und ist besonders im südlichen Landkreis Bayreuth aktiv.

Vereinsstruktur und Abteilungen
Die Sektion ist in verschiedene Abteilungen und Interessengruppen gegliedert, darunter:

Bergsteigergruppe
Skiabteilung
Familiengruppe
Seniorengruppe
Jugendgruppen (JDAV)
Mountainbikegruppe
Ortsgruppe Pegnitz
Der Vorstand setzt sich aus dem geschäftsführenden Vorstand und dem Beirat zusammen
Die Geschäftsstelle in Bayreuth bietet umfassende Dienstleistungen rund um die Mitgliedschaft, Beratung, Ausrüstungsverleih und Bibliothek.
Zusammenarbeit mit dem DAV-Bundesverband
Die Sektion Bayreuth ist Teil des Deutschen Alpenvereins, der mit über 1,4 Millionen Mitgliedern in mehr als 350 Sektionen der größte Bergsportverband der Welt ist. Die Sektion arbeitet eng mit dem Bundesverband zusammen, insbesondere in den Bereichen Ausbildung, Naturschutz und Infrastrukturentwicklung.

 
Medien, Publikationen und Vereinszeitschriften
„Bayreuth Alpin“ – Die Vereinszeitschrift
Die Vereinszeitschrift „Bayreuth Alpin“ erscheint zweimal jährlich und informiert die Mitglieder über aktuelle Veranstaltungen, Rückblicke, Tourenberichte, Ausbildungsangebote und Entwicklungen in der Sektion. Die Hefte sind online verfügbar und bieten einen umfassenden Einblick in das Vereinsleben.

Weitere Publikationen und Festschriften
Zu besonderen Anlässen wie Jubiläen oder Expeditionen veröffentlicht die Sektion Festschriften und Broschüren, die die Geschichte und die wichtigsten Ereignisse dokumentieren. Diese Publikationen sind wichtige Quellen für die Erforschung der Sektionsgeschichte und werden in der DAV-Bibliothek archiviert.

Ortsgruppen und regionale Abteilungen
Ortsgruppe Pegnitz
Die Ortsgruppe Pegnitz wurde 1966 gegründet und ist heute mit rund 300 Mitgliedern eine der größten und aktivsten Untergruppen der Sektion. Sie bietet ein eigenständiges Programm mit Wanderungen, Bergtouren, Klettersteigausflügen und regelmäßigen Stammtischen. Die Gruppe ist besonders im südlichen Landkreis Bayreuth und in der Fränkischen Schweiz aktiv und trägt maßgeblich zur Verbreitung des Bergsports in der Region bei.

Aktivitäten im Fichtelgebirge und der Fränkischen Schweiz
Die Sektion ist in der gesamten Region präsent und bietet Veranstaltungen und Kurse im Fichtelgebirge, der Fränkischen Schweiz und darüber hinaus an. Die Hütten dienen als Stützpunkte für regionale Gruppen und ermöglichen ein vielfältiges Programm für Mitglieder aller Altersgruppen und Leistungsniveaus.

Aktuelle Entwicklungen und Ausblick
Mitgliederzahlen und Angebote 2026
Im Jahr 2026 zählt die Sektion Bayreuth rund 5.700 Mitglieder und bietet ein breites Spektrum an Aktivitäten: Von Skitouren und Kletterkursen über Familienwochenenden auf den Hütten bis zu Mountainbike- und Wanderveranstaltungen. Die Geschäftsstelle ist zentrale Anlaufstelle für Beratung, Anmeldung und Ausrüstungsverleih.

Digitalisierung und moderne Kommunikation
Die Sektion nutzt moderne Kommunikationskanäle wie eine aktuelle Website, Social-Media-Präsenz und einen Newsletter, um Mitglieder und Interessierte über Veranstaltungen, Neuigkeiten und Entwicklungen auf dem Laufenden zu halten. Die Online-Buchung von Hütten und Kursen ist ebenso selbstverständlich wie die Bereitstellung digitaler Vereinszeitschriften und Informationsmaterialien.

Herausforderungen und Zukunftsperspektiven
Die Sektion steht – wie der gesamte DAV – vor der Herausforderung, den Spagat zwischen wachsendem Interesse am Bergsport und dem Schutz der Natur zu meistern. Die Förderung des Nachwuchses, die Integration neuer Trendsportarten (z. B. Trailrunning, Bouldern), die Modernisierung der Infrastruktur und die Stärkung des ehrenamtlichen Engagements sind zentrale Aufgaben für die kommenden Jahre.

Zusammenfassung der wichtigsten Meilensteine
Jahr
Ereignis / Entwicklung
1888
Gründung der Sektion Bayreuth
1925/26
Erwerb und Einweihung der Bayreuther Hütte im Rofangebirge (Tirol)
1957
Rückgabe der Bayreuther Hütte nach dem Zweiten Weltkrieg
1958
Einweihung der Rabenecker Hütte (Hans-Putschky-Haus) in der Fränkischen Schweiz
1966
Gründung der Ortsgruppe Pegnitz
1975
Kauf der Wagenthalhütte im Fichtelgebirge
1978
90-jähriges Jubiläum, über 1.500 Mitglieder
1980
Erweiterung und Modernisierung der Bayreuther Hütte
1988
100-jähriges Jubiläum, Festschrift und große Jubiläumsfeier
1987
Bayreuther Andenexpedition mit Erstbesteigungen in Bolivien
1995
Installation einer Photovoltaik- und Solaranlage auf der Bayreuther Hütte
2013
125-jähriges Jubiläum, große Ausstellung in der Universitätsbibliothek Bayreuth
2026
Rund 5.700 Mitglieder, moderne Kletteranlagen, vielfältiges Ausbildungs- und Veranstaltungsprogramm
Die Tabelle verdeutlicht die kontinuierliche Entwicklung der Sektion von einer kleinen Gruppe bergbegeisterter Idealisten zu einer der größten und aktivsten DAV-Sektionen in Nordbayern.

 
Fazit
Die Geschichte der DAV Sektion Bayreuth ist ein Spiegelbild der Entwicklung des Bergsports in Deutschland: von den Anfängen als elitärer Alpinistenverein über die Demokratisierung und Öffnung für breite Bevölkerungsschichten bis hin zur heutigen modernen, vielfältigen und naturnahen Gemeinschaft. Die Sektion hat es verstanden, Tradition und Innovation zu verbinden, ihre Infrastruktur stetig zu modernisieren und sich den Herausforderungen der Zeit zu stellen. Mit ihren Hütten, Kletteranlagen, Ausbildungsprogrammen und ihrem Engagement für den Naturschutz ist sie ein Vorbild für viele andere Vereine und ein wichtiger Akteur im gesellschaftlichen Leben der Region Bayreuth.


Gleichzeitig nehmen wir die dunklen Kapitel unserer Geschichte ernst: Die Sektion bedauert zutiefst die Ausgrenzungen und die Mitwirkung an nationalsozialistischen Maßnahmen in der Vergangenheit, erkennt die eigene Verantwortung an und verpflichtet sich zu Erinnerung, Aufarbeitung und Versöhnung. Heute ist unsere Gemeinschaft offen und vielfältig — Menschen aus vielen Ländern und Kulturen gehören zu uns — und wir arbeiten aktiv daran, dass diese Vielfalt, das ehrenamtliche Engagement und der Schutz der Natur die Grundlage für eine zukunftsfähige Sektion bilden. Angesichts der beeindruckenden Geschichte und der aktuellen Dynamik bestehen dafür beste Voraussetzungen.

 

Wichtige Quellen und weiterführende Informationen:

Festschriften zum 50-, 75-, 90- und 100-jährigen Jubiläum der Sektion Bayreuth https://bibliothek.alpenverein.de/webopac/02_av-sektionsschriften/Sektion_Bayreuth/Festschriften/SektionBayreuthFS75Jahre1888-1963-web.pdf

https://bibliothek.alpenverein.de/webOPAC/02_AV-Sektionsschriften/Sektion_Bayreuth/Festschriften/SektionBayreuthFS100Jahre1888-1988-web.pdf

Vereinszeitschrift „Bayreuth Alpin“ und weitere Publikationen (Link zum Download)
Informationen zu den Hütten: Bayreuther Hütte, Hans-Putschky-Haus, Wagenthalhütte (Link zu Hüttenseiten, https://de.wikipedia.org/wiki/Bayreuther_H%C3%BCtte) 

Berichte über die Bayreuther Andenexpedition 1987 und andere besondere Projekte

Medienberichte und Ausstellungen zur Geschichte der Sektion 

https://www.ub.uni-bayreuth.de/de/news_archiv/2013_05_06-ausstellung_alpenverein/index.html