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Schweizer Skiberge - Bivio Mai 2006
"Wollt Ihr das wirklich durchziehen?" fragte der Mann im Sportgeschäft
beim Besorgen unserer Skitourenausrüstung. Und in der Tat, die Aussichten
für unsere Frühjahrsskitour in der Schweiz schienen angesichts
der Wetterprognose ziemlich düster. Tristes Grau und Regen verfolgten
uns von Franken über den um diese Jahreszeit sonst so schmucken Bodensee
hinaus. Im Dämmerlicht erreichten wir kurz vor der Julierpasshöhe
Bivio und erhaschten noch einen Blick auf vom Regen durchweichte Wiesen
und letzte Altschneereste. Dass die nächsten Tage unsere Sonnencremebestände
derart strapazieren würden, hat an diesem Abend wohl niemand erwartet.
Schon der nächste Tag begann hoffnungsvoll, denn bald drückte
die Maisonne kräftig durch die dünnen Wolken und sorgte für
ein blendendes diffuses Licht. Aufgrund der somit erschwerten Orientierung
verzichteten wir auf den geplanten Gipfel und wendeten uns zum Fuorcla
d'Agnel-Pass, dessen absolute Höhe aber durchaus mit Deutschlands
höchstem Berg konkurrieren kann. Schon bei der dann folgenden Abfahrt
überschlug sich einer der Teilnehmer vor Begeisterung; erstaunlicherweise
sogar, ohne dabei seine Ski zu verlieren.
Doch es sollte noch besser kommen. Nach kalter Nacht wurde mit dem Piz
Lagrev der wohl prominenteste Ski- 3000er am Julierpass in Angriff genommen.
Schon der frühe Morgen brachte in Anbetracht der Prognosen unwahrscheinlich
blauen Himmel. Nach ausgiebigem Einsatz von Sonnencreme ging es unter
einer lotrechten ocker-braunen Felswand mit angelegten Harscheisen in
Serpentinen den steilen Hang empor. Bald war dieses erste Hindernis überwunden
und ein wunderschöner Kessel erreicht, der eine glitzernde Umrahmung
für Fernblicke zu den jenseits liegenden Eisfestungen der Berninagruppe
bildete. Immer entlang an den milden Bergrücken der rechten Kesselbegrenzung
wurden die ideal geneigten Hänge des Gipfelaufbaus erreicht. Kurz
darauf hatten wir den Wintergipfel dieses stolzen Schweizer 3000ers erreicht.
Und dann ging es unter der strahlenden Maisonne leicht und mühelos
durch den butterweichen Firn zurück, Gipfelaufbau, Gleitstück,
Steilhang unter Felswand und plötzlich standen wir vor der Brücke
des Parkplatzes. Waren wir nicht eben noch ganz da oben gewesen? Unerreichbar
leuchtete oben unser Gipfel. Das ist Skibergsteigen:
Bist Du oben, bist Du unten! Begeisterung bei allen Teilnehmern. Sonne
auch im Ort, Cappuccino, in der Sonne sitzen gefolgt vom berühmten
Amman'schen Abendmenü sorgte für die Regeneration der Kräfte,
denn schon wieder stand für den kommenden Tag mit dem Corn Suvretta
ein Gipfel über 3000 Hm
auf dem Programm.
Die Sonne sollte uns auch hier den gesamten Tag begleiten. Etwas Schatten
war uns noch zu Beginn des Anstiegs vergönnt, der zunächst einem
kleinen Hochtal folgte. Dann traten wir aus dem Schatten der steilen ostseitigen
Felswände rund um den spektakulären 3380 m hohen Piz Julier
heraus und es war Zeit für die erste Rast. Nach der Stärkung
folgte der spektakulärste Teil des Unternehmens Bivio. Eine Steilstufe
im Grataufbau musste mit abgeschnallten Skiern sowie Händen und Füssen
überwunden werden, dann ging es herrlich dem immer aufwärts
strebenden Grat entlang bis zum Gipfel. Erneut verwöhnte uns die
Fernsicht von Ortler bis Monte Rosa, so dass wir unsere Gipfelrast ausdehnten
bis sich
alle satt gesehen hatten. Dann hieß es Ski anschnallen und mit vielen
kurzen Schwüngen über die steilen Gipfelhänge, kurze Pause
und dann das lange Hochtal hinaus, immer Fahrt-wind, letzte Schneereste
nutzen in einer Viehweide, Ski abschnallen 10 m vor der Strasse, herrlich!
Das war der gelungene Schlusspunkt für den größten Teil
der Gruppe, der sich nach kurzem Sonnenbad vor dem Auto auf den
Heimweg nach Deutschland machte. Nur ein unverzagtes Grüppchen musste
noch bleiben, um am folgenden Tag auch noch unserem Hausberg, dem Rocabella,
einen Besuch abzustatten.
Am Rande sei noch angemerkt, das natürlich auch diese Tour ein voller
Erfolg wurde.
Wir möchten uns alle an dieser Stelle ganz herzlich bei unserem
lustigen FÜL Lui und seiner Frau Ramona für die Führung
bzw. die Lui- Freigabe bedanken und freuen uns auf den nächsten Mai!
Andreas Göldel
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