Uhu- und Wanderfalkenschutz

In schöner Regelmäßigkeit verzichten wir Kletterer an bestimmten Felsen in der ersten Jahreshälfte zugunsten von Wanderfalken- und Uhubruten auf das Klettern. Wie steht es also um diese beiden Arten, bzw. um ihre Populationen?

Beim Uhu hat es im Jahr 2003 im Bereich des Naturparkes Fränkische Schweiz einige, allerdings relativ wenige Bruterfolge gegeben. Überhaupt sind beim Uhu in den zurückliegenden Jahren die Bestandszahlen in unserem Bereich offenbar stetig gesunken. Die Ursachen dafür sind nicht eindeutig festzumachen. Mögliche Ursachen sind Nahrungsknappheit, illegale Verfolgung und Verluste durch Straßenverkehr, Leitungsanflug oder Stromschlag.

„Dem Uhu“ geht es also eindeutig schlecht. Ruhe während der Brutzeit ist ein Mosaiksteinchen, das wir Kletterer zum Uhuschutz beitragen können.

Zur Situation beim Wanderfalken hat Herr Helmut Beran vom Landesbund für Vogelschutz im Halbjahresprogramm 1/2004 des Vereins einen ausführlichen Artikel geschrieben, den wir im Folgenden mit seiner Genehmigung wiedergeben:

Bericht aus dem Arbeitskreis Wanderfalkenschutz

Das Jahr 2003 war aus Sicht des Wanderfalkenschutzes ein besonders erfolgreiches Jahr. Bayernweit konnten außerhalb der Alpen 89 Brutpaare (eine Zunahme von 24% gegenüber 2002) und 153 flügge Jungvögel (eine Zunahme von 32% gegenüber 2002) verzeichnet werden. Erheblichen Anteil an der bayernweiten Bestandszunahme 2003 hatte die positive Entwicklung im Bereich der Nördlichen Frankenalb, wo sich die Brutpaarzahlen gegenüber 2002 nahezu verdoppelt haben. 2003 konnten 19 Brutpaare in Oberfranken gezählt werden, davon brüteten 12 Paare im Bereich des Naturparks Fränkische Schweiz / Veldensteiner Forst. Der Schwerpunkt der Verbreitung liegt in den Landkreisen Forchheim und Bayreuth, aber auch in den Landkreisen Bamberg, Lichtenfels, Kulmbach, Kronach und Wunsiedel brüteten Wanderfalken erfolgreich. Bemerkenswert sind die Vorkommen von 2 Brutpaaren im Stadtgebiet von Bamberg. Möglicherweise brütete 2003 noch ein weiteres Paar im südlichen Landkreis von Bayreuth. Hinweise auf dieses Vorkommen erhielten wir erst im Sommer 2003. Unmittelbar angrenzend an Oberfranken brüten Wanderfalken auch im Bereich der Hersbrucker Schweiz und im Stadtgebiet von Nürnberg und Erlangen.

Die Bestände des Wanderfalken sind in Deutschland und in Bayern in den 60er und 70er Jahren völlig eingebrochen. Man schätzte den Bestand 1970 in den Alpen auf rund 20 Paare, außerhalb der Alpen hatten lediglich noch 2 Paare in Unterfranken überlebt. In der Fränkischen Schweiz war der Wanderfalke seit Anfang der 70er Jahre verschwunden. Hauptursache für den Rückgang des Wanderfalken war der Einsatz des DDT in der Landwirtschaft (Pesticide Crash). Daneben spielte auch der Faktor illegale Aushorstung ein wichtige Rolle. Aufgrund des Anwendungsverbotes des DDT sowie des umfassenden Schutzes der Brutplätze konnte sich der Wanderfalkenbestand in Deutschland und auch in Bayern wieder erholen. 1982 beauftragte das Bayerische Staatsministerium für Landesentwicklung und Umweltfragen (StMLU) den LBV mit dem Aufbau eines landesweiten Artenhilfsprogramms für den Wanderfalken. Dieses sollte die oft unzureichend abgestimmten Einzelmaßnahmen bündeln und damit einen möglichst effizienten Schutz des Wanderfalken sicher stellen. Im Rahmen des Artenhilfsprogramms wurden für gefährdete Horste konkrete Schutzmaßnahmen veranlasst. Diese reichen von zeitweiligen Felssperrungen für Kletterer oder der Verlegung von Wanderwegen über die Dauerbewachung besonders exponierter Bruten während der gesamten Brutzeit.

Ende der 80er, Anfang der 90er Jahre waren erste Brutversuche auch im Bereich der Fränkischen Schweiz zu beobachten. Die ersten Brutplätze wurden damals rund um die Uhr bewacht, um mögliche Störungen durch Kletterer oder Wanderer sowie Aushorstungen zu vermeiden. Inzwischen hat sich der Bestand im Bereich der nördlichen Frankenalb sehr gut erholt, so dass lediglich eine Bewachung bzw. Kontrolle von exponierten und gefährdeten Brutplätzen erforderlich ist. Wie wichtig jedoch eine Kontrolle von Brutplätzen sein kann, zeigte der Abschuss eines Wanderfalkenweibchens 2002 im südlichen Landkreis von Bayreuth. Der Vogel wurde unmittelbar in der Nähe der Brutnische geschossen, trotz einer Anzeige und einem großen Medienecho konnte der Täter bis heute nicht ermittelt werden. Unter dem Eindruck des Abschusses eines Wanderfalken erscheint das ungeklärte Verschwinden von Wanderfalken in früheren Jahren im Bereich der Fränkischen Schweiz in einem anderen Licht. Die illegale Verfolgung von Greifvögeln stellt auch heute noch ein großes Problem im Artenschutz dar.

2002 wurde auch im Bayerischen Wald ein Wanderfalke am Brutplatz abgeschossen. Daneben werden regelmäßig Wanderfalken durch mit E 605 präparierte Tauben vergiftet. Die bekannt gewordenen Fälle sind Zufallsfunde und stellen sicher nur die Spitze eines Eisberges dar. Diese Beispiele zeigen, dass trotz der positiven Bestandsentwicklung der letzten Jahre noch keine Entwarnung gegeben werden kann.

PS: Wer bei der Wanderfalkenbewachung mitmachen möchte, findet Informationen unter: www.alpenverein.de.

 
Deutscher Alpenverein e.V. - Sektion Bayreuth
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